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Rechtsicherheit im Internet Spezial: Urheberrecht und Lizenzen

Fotos, Videos, Musik – jeder dieser Inhalte kann in sozialen Netzwerken geteilt, auf Webseiten eingebunden, heruntergeladen und bearbeitet werden. Doch ein sorgloser Umgang mit den Werken anderer kann teuer werden. Bei der Verwendung und Verbreitung von Werken muss nämlich das Urheberrecht beachtet werden. Es schützt Urheberinnen und Urheber und verlangt deren Einwilligung zur Nutzung ihrer Werke.

 

 

Wer Werke ohne Erlaubnis der Rechteinhaber verwendet oder die Regeln der Lizenz nicht beachtet, dem drohen Abmahnungen. Besondere Rechte gelten auch für Personen, die auf Fotos zu erkennen sind, die im Internet veröffentlicht werden. Jede Internetnutzerin und jeder Internetnutzer sollte sich daher Grundkenntnisse zum Urheberrecht und zu Regelungen wie dem „Recht am eigenen Bild“ aneignen. Und auch wenn trotz aller Vorsicht eine Abmahnung eingeht, gibt es Regeln zu beachten, um sich vor überhöhten oder zusätzlichen Kosten zu schützen.  

 

Weitere Anleitungen und Tipps erhalten Sie in unseren Webinaren und Selbstlernkursen. Mehr Informationen finden Sie auch in unserem Video-Tutorial!

Für die Rechtssicherheit im Internet mit Fokus auf das Urheberrecht helfen Ihnen folgende Regeln:

 

1. Prüfen Sie vor der Veröffentlichung, ob Sie das Werk nutzen dürfen!


Der Urheberrechtsschutz entsteht automatisch mit der Schaffung eines Werkes. Wird gegen das Urheberrechtsgesetz verstoßen, kann es teuer werden: Denn Urheber*innen können Verwendungen von Werken ohne ihre Einwilligung abmahnen. Bevor Sie Werke von anderen im Internet nutzen, sollten Sie sich absichern: Recherchieren Sie, wem das Werk gehört und ob und wie Sie dieses verwenden dürfen.

Übrigens: Das Urheberrecht gilt für alle Werke, die einen gewissen Grad an eigenem Aufwand durch die Urheber erfordert haben, der sogenannten “Schöpfungshöhe”. Dazu gehören auch beispielsweise privat verfasste Gedichte, eine Schülerzeitung oder private Fotos.
Allerdings: Das Urheberecht gilt nur bis 70 Jahre nach dem Tod der Urheberin oder des Urhebers. So ist beispielsweise “Die Räuber” von Schiller nicht mehr urheberrechtlich geschützt. Es ist “gemeinfrei”.


2. Veröffentlichen Sie keine Aufnahmen anderer Personen ohne ihre Einwilligung!


Jede Person hat das „Recht am eigenen Bild“: Es besagt, dass jede Person einwilligen muss, bevor ein Foto von ihr im Netz veröffentlicht wird.
Dies betrifft zunächst auch Fotos, auf denen Menschen nur im Hintergrund oder in einer größeren Gruppe zu sehen sind. Hier kommt es im Wesentlichen darauf an, ob die fotografierte Person zu erkennen und wesentlich für das Bild oder nur zufällig im Hintergrund zu sehen ist. Die Erkennbarkeit einer Person beurteilt sich unter anderem aus ihren Gesichtszügen oder Merkmalen der äußeren Erscheinung wie Haarschnitt, Körperhaltung oder Kleidung. Ist sie zu erkennen und nicht nur Teil einer größeren Gruppe, muss sie die Erlaubnis zur Veröffentlichung erteilen.
Das Setzen eines Balkens über die Augen beseitigt die Erkennbarkeit übrigens nicht automatisch.
Ausnahmen gelten für Prominente oder Personen, die beispielsweise ein Fernseh-Interview geben.

 

3. Laden Sie kein urheberrechtlich geschütztes Material aus dem Internet herunter!


Vorsicht geboten ist bei kostenlosen Musik- oder Filmdownloads aus dem Internet. Musik und Filme stehen nur in Ausnahmefällen tatsächlich kostenfrei und legal zum Download bereit. Bei kostenfreien aktuellen Songs und Kinoblockbustern ist davon auszugehen, dass sie illegal eingestellt wurden. Im Zweifel sollte das Werk nicht heruntergeladen werden, denn hierfür können Sie abgemahnt werden.

 

4. Betten Sie urheberrechtlich geschütztes Material ein, anstatt es neu hochzuladen!


Videos anderer Personen oder Bands können jedoch manchmal ganz legal genutzt werden: So ist das Einbetten („Embedding“) von Videos in beispielsweise die eigene Webseite oder den Blog erlaubt. Denn hierbei verbleiben die Videos technisch auf der ursprünglichen Plattform, auf der es Rechteinhaber*innen selbst hochgeladen und damit zuerst veröffentlicht haben. Durch das Einbetten findet keine neue Veröffentlichung statt.

Vom Einbetten offensichtlich illegaler Inhalte sollten Sie absehen – die Rechtslage ist hier noch nicht eindeutig.

 

5. Bearbeiten Sie die Werke anderer nur mit ihrer Erlaubnis!


Für die Bearbeitung von Werken anderer kommt es darauf an, ob eine „freie Benutzung“ oder eine „Bearbeitung“ gegeben ist: Für neue Werke dürfen die Werke anderer ruhig als Inspiration oder Anregung genutzt werden – solang das neue Werk den nötigen Eigenanteil, also die Schöpfungshöhe, aufweist.

Dagegen ist die Veröffentlichung oder Verwertung von bearbeiteten Werken anderer nur mit ihrer Einwilligung zulässig.

 

6. Nutzen Sie bevorzugt Werke mit CC-Lizenzen!


Keine Ausnahme vom Urheberrecht aber eine deutliche Erleichterung gibt es bei der Nutzung von Inhalten, die mit einer Creative-Commons-Lizenz (CC) versehen sind. Es gibt insgesamt sechs CC-Lizenzmodelle , mit denen Urheber*innen Texte, Videos oder Fotos versehen können. Jede Lizenz erlaubt bestimmte Nutzungsarten unter bestimmten Bedingungen.

Der Vorteil: Anhand der Lizenz sehen Nutzer*innen sofort, was sie mit dem Werk tun dürfen. Eine umfangreiche Recherche und Nachfrage bei den Urherber*innen entfällt.

 

7. Fertigen Sie Privatkopien nur für den nicht öffentlichen und kostenfreien Gebrauch an!


Das Urheberrechtsgesetz erlaubt die Nutzung von Werken zunächst nur für den eigenen Gebrauch und Genuss zuhause sowie im Familien- und Freundeskreis. Allerdings dürfen Kopien auf anderen Medien (z. B. CDs) angefertigt und im kleinen Kreis kostenfrei weitergegeben werden.

Es ist im Gesetz nicht ausdrücklich geregelt, aber in der Praxis geht man hierbei von bis zu sieben erlaubten Kopien aus. Es ist also erlaubt, USB-Sticks mit Kopien der legal erworbenen Lieblings-Musik an wenige ausgewählte Familienmitglieder weiterzugeben.

 

8. Fotografieren Sie Bauwerke nur, wenn sie öffentlich sichtbar sind!


Eine weitere Ausnahme im Urheberrechtsgesetz ist die sogenannte „Panoramafreiheit“. Diese erlaubt, dass öffentliche Gebäude und Kunstwerke, die auf öffentlichen Plätzen stehen oder installiert sind, fotografiert werden dürfen – für und sogar gewerbliche Zwecke!

Voraussetzung ist, dass

• sich das fotografierte Gebäude oder Kunstwerk dauerhaft am selben Ort befindet,
• jeder es vom öffentlichen Raum aus sehen, fotografieren oder malen kann und
• dies alles ohne Hilfsmittel wie beispielsweise einer Leiter möglich ist.

Auch hier ist Vorsicht geboten: Viele scheinbar öffentliche Gebäude sind privat, wie zum Beispiel die meisten Bahnhöfe, und die Panoramafreiheit gilt auch nicht in allen Ländern der EU.

 

9. Halten Sie sich bei Abmahnungen an Fristen und schalten Sie juristischen Beistand ein!


Eine Abmahnung wegen einer Rechtsverletzung im Internet schockiert auch erfahrene Internetnutzer*innen. Landet eine Abmahnung in Ihrem Briefkasten, sollten Sie sich an diese Grundregeln halten:

• Lassen Sie keine Fristen verstreichen.
• Schalten Sie sofort einen spezialisierten Rechtsbeistand ein.
• Beachten Sie, dass Anwaltsgebühren für Abmahnungen 147,56 Euro grundsätzlich nicht überschreiten dürfen.

Selbst wenn die Abmahnung berechtigt ist, können erfahrene Rechtsbeistände zumindest die Höhe der entstehenden Kosten verhandeln. Rechtsbeistände sind in Branchenverzeichnissen oder bei der Verbraucherschutzzentrale zu finden.

 


Achtung:
Im Fall einer konkreten Rechtsverletzung oder Unsicherheit über eine mögliche Rechtsverletzung sollten Sie in jedem Fall einen auf Medienrecht spezialisierten Anwalt ansprechen.

 

Wie Sie CC-Lizenzen richtig anwenden und rechtssicher zitieren lernen Sie in unserem Selbstlernkurs und im Webinar „Rechtssicherheit im Internet Spezial: Urheberrecht und Lizenzen“!

 

 


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